Der Elefant und die Giraffe / Ab 10 Jahren

Alter: ab 10 Jahren
Gruppengröße: ab 8 Personen
Zahl der benötigten Helfer*innen: keine
Dauer der Aktion: 45min
Material: Märchentext, Flipchartpapier, Papierbögen, Marker

Ziele:
Die Schüler und Schülerinnen sollen die Vielfalt der Personen in der sie umgebenden Klassen-,Schul-, und lokalen Gemeinschaft wahrnehmen. Sie identifizieren Barrieren beim Funktionieren unterschiedlicher Gruppen in einer gemeinsamen Realität und sind imstande Strategien für die Kooperation zu erarbeiten (ein Haus, eine Klassengemeinschaft bauen), in der es gelingt, diese Barrieren zu überwinden.

Umsetzung:

1.Führe ein Experiment durch:

– Sag am Anfang der Stunde an, dass Ihr Euch mit dem Thema Vielfalt beschäftigen und mit einem Märchen als Einführungsform in das Thema arbeiten werdet.
– Teile die Klasse in zwei Gruppen auf: Elefanten und Giraffen (in der Klasse, wo die Schüler und Schülerinnen an ihren Tischen bleiben, wird es praktisch sein, den an den Tischen sitzenden Paaren abwechselnd die Zugehörigkeit zur Gruppe der Elefanten und Giraffen zu geben)
– Bitte die Schüler und Schülerinnen darum, sich während das Märchen vorgelesen wird, in die Rolle ihrer Helden hineinzufühlen
– Lies das Märchen „Der Elefant und die Giraffe” vor – denk daran, langsam zu lesen, Pausen zu machen, neue Motive (Absätze) zu betonen, die Satzzeichen nicht zu vergessen.

Märchen „Der Elefant und die Giraffe“

In einer kleinen Gemeinschaft am Stadtrand wurde ein neues Haus für Herrn Giraffe gemäß den Bedürfnissen seiner Familie gebaut. Es war ein wundervolles Giraffenhaus mit einem spitzen Dach und einer hohen Eingangstür. Die großen Fenster garantierten ein Maximum an Licht und schöne Aussichten. Die schmalen Flure sparten den wertvollen Raum, wobei aber nicht auf Komfort verzichtet
werden musste. Das Haus wurde so gut gebaut, dass es den Preis als Giraffenhauses des Jahres erhielt. Die Hauseigentümer waren sehr stolz darauf. Eines Tages schaute Herr Giraffe, während der in seiner Tischlerwerkstatt im Keller arbeitete, aus dem Fenster.

Ein Elefant ging die Straße entlang. „Ich kenne ihn”, dachte sich Herr Giraffe. „Wir haben im Elternbeirat zusammengearbeitet. Er ist ein toller Handwerker. Ich werde ihn wohl bitten, sich meine neue Werkstatt anzuschauen. Vielleicht könnten wir gemeinsam an einigen Projekten arbeiten”. Herr Giraffe steckte den Kopf aus dem Fenster und bat den Elefanten herein. Der Elefant war begeistert, er hatte mit Herrn Giraffe gern zusammengearbeitet und wollte ihn näher kennenlernen. Er hatte auch von dessen neuer Werkstatt gehört und wollte sie sehen. Also ging er zurm Kellertür und wartete, bis diese geöffnet wurde. „Kommen Sie bitte herein”, sagte Herr Giraffe. Doch sofort tauchte ein Problem auf. Der Elefant steckte seinen Kopf durch die Tür, kam aber nicht weiter. „Das ist gut, dass ich eine Tür gemacht habe, die man verbreiten kann”, sagte Herr Giraffe. „Gib mir einen Augenblick und ich mache das gleich”. Er schraubte einige Schrauben ab und nahm die Paneele so ab, dass der Elefant hineingehen konnte.Beide tauschten sie gerade ihre Tischlererfahrungen aus, als die Ehefrau von Herrn Giraffe ihren Kopf in die Kellertreppentür steckte und rief: „Ein Anruf für dich, Schatz. Es ist dein Chef.” „Ich werde lieber oben rangehen”, sagte Herr Giraffe zum Elefanten. „Bitte fühl dich wie zu Hause, das kann ein bisschen dauern.” Der Elefant blickte sich um, bemerkte ein Arbeitsprojekt, das in einer weiter entfernten Ecke lag und beschloss, es sich anzuschauen. Sobald er aber in Richtung Eingangstür ging, hörte er ein unheilvolles Knacken – einige Dielen krachten unter seinem Gewicht zusammen. Er zog sich zurück und kratzte sich am Kopf. „Vielleicht sollte ich zu Herrn Giraffe nach oben gehen”, dachte er sich.

Als er aber die Treppe hochzulaufen begann, krachten die Treppenstufen ebenfalls und gaben nach. Er sprang zurück und lehnte sich an die Wand. Diese begann ebenfalls auseinanderzufallen. Als er sich deprimiert hinsetzte, kam Herr Giraffe die Treppe hinunter. „Was ist denn hier los?”, fragte Herr Giraffe verwundert. „Ich habe versucht, mich wie zu Hause zu fühlen”, antwortete der Elefant. Herr Giraffe blickte sich um.”Okay, ich verstehe das Problem. Die Eingangstür ist zu eng. Du musst ein wenig an Gewicht verlieren. Nicht weit von hier gibt es ein Fitnessstudio mit Aerobic. Wenn du an einigen Kursen teilnimmst, wirst du ein paar Kilos los.” „Möglich”, antwortete der Elefant, sah aber nicht sehr überzeugt aus. „Auch die Treppe ist zu schwach und hält deinem Gewicht nicht stand”, setzte Herr Giraffe fort. „Wenn du in den Ballettunterricht gehst, dann wirst du leichter, dessen bin ich mir sicher. Ich hoffe wirklich, dass es dir gelingt. Ich würde mir sehr wünschen, dass du hier mit mir zusammen arbeiten kannst”. „Das ist nicht ausgeschlossen”, sagte der Elefant. „Aber ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, ob ein für Giraffen entworfenes Haus jemals für einen Elefanten geeignet sein wird, es sei denn, dass größere Änderungen vorgenommen werden.”

2. Stelle Fragen – sammle Reflexionen und Beobachtungen:

– Wie habt ihr euch als Elefanten gefühlt? (die Gefühle der Schülerinnen und Schüler werden auf eine Flipchart/ an die Tafel geschrieben)
– Wie habt Ihr Euch als Giraffen gefühlt? (die Gefühle der Schülerinnen und Schüler werden auf eine Flipchart/ an die Tafel geschrieben)
– Was hat eure Gefühle hervorgerufen? Warum habt ihr euch so gefühlt? Welche Worte genau, die von den Protagonisten benutzt wurden, riefen diese Gefühle hervor? Was sind das für Gefühle?
– Welche Hindernisse störten euch beim Beginn der Zusammenarbeit und besserem gegenseitigen Kennenlernen der Giraffe und des Elefenten? (die Barrieren/ Hindernisse / Schwierigkeiten werden auf eine Flipchart/ an die Tafel geschrieben)

3.Übertrage das Märchen auf die Ebene der Schulrealität und frage:

– Wovon handelt die Geschichte wirklich?
– Passieren ähnliche Geschichten in Eurem Leben/ Eurer Klasse/Schule?
Wenn es keine Beispiele aus der Klasse geben sollte, kannst Du Deine eigenen angeben, z.B.: Würdest du, wenn du im vierten Stock ohne Fahrstuhl wohnst, einen Freund einladen, der eine Behinderung hat und Rollstuhlfahrer ist? Wo kannst du dich mit ihm treffen?

4. Erarbeite mit den Schülern und Schülerinnen die Art der Anwendung der bisherigen Reflexionen
:

– Lies noch einmal den letzten Satz des Märchens vor und frage, was die Schüler/Schülerinnen meinen: kann/sollte die Schule so entworfen werden, wie das Haus im Märchen – nur für eine Gruppe?

Als Lehrer/Lehrerin solltest du sagen: nein, so geht das nicht. Die Schule ist ein öffentlicher Ort und sollte für alle Gruppen offen sein, jeder sollte seinen Platz dort finden. Wenn die Schule es nicht schafft, sich um gleiche Zugänglichkeit für alle Gruppen zu kümmern, wenn sich irgendeine Gruppe dort schlecht fühlt, dann ist es eine schlechte Schule und sollte sich ändern.

– Frag, um welche Veränderungen es im letzten Satz des Märchens gehen könnte. Welche konkreten Veränderungen müssten eingeführt werden, damit sich keiner in der Schule wie der Elefant oder die Giraffe aus dem Märchen fühlt? Woran müssen wir dann denken?
– Wie können wir gemeinsam „ein Haus bauen” – eine Klassengemeinschaft, eine lokale Gemeinschaft, in der Vielfalt repsektiert wird?

Sonstiges:

Als Lehrer/in solltest Du die Botschaft dieser Stunde zusammenfassen und den Schülern und Schülerinnen vermitteln: Sensibilität gegenüber Unterschieden ist unerlässlich, reicht aber nicht aus, um positive Veränderungen einzuführen. Man muss noch Ideen und Aktivitäten einführen, die uns eine Zusammenarbeit unter Berücksichtigung der Unterschiede erlauben.